11 Monate, 34 Spiele – zehn erste Best-Ofs
Vor mittlerweile 16 Monaten habe ich meine formelle Ausbildung zum Nachwuchsschiedsrichter im Wiener Fußball Verband absolviert. Seit 11 Monaten betreibe ich (Anm.: sehr passiv) diesen Blog, im selben Zeitraum habe ich 17 Spiele als Schiedsrichter im Nachwuchs geleitet und bei exakt gleich vielen Spielen in den beiden niedrigsten Amateurklassen an der Linie assistiert. Grund genug, diesen Blog mal wieder zu beehren. Mit zehn Superlativen des (fast) ersten Jahres.
1) Platteste Ausrede eines Spielers (um eine blaue Karte wegen Kritik zu verhindern, auf einen völlig unbeteiligten und verdutzt dreinschauenden Mitspieler der eigenen Mannschaft zeigend): „Das hab ich nicht zu Ihnen gesagt. Das hab ich zu ihm gesagt!“ Anm.: Ich habe ihm nicht geglaubt.
2) Platteste Intervention durch einen Trainer (nachdem er dem zuvor relativ apathischen Vereinslinienrichter durch wildes gestikulieren zu verstehen gegeben hat, dass er nicht meiner Handbewegung folgen, sondern den Einwurf in die andere Richtung signalisieren möge mit dem Selbstbewusstsein eines Gasthaus-Kopp-Kellners in meine Richtung): „Jetz schau aber amoi auf’n Assistenten – der hot des gaaaanz anders g’sehen!“ Anm.: Er hat seine Haltung konsequent bis zur Pause durchgezogen.
3) Harmloseste ernstgemeinte Beschimpfung durch einen Zuschauer: „So ein Pfeiffenkopf!“ Anm: Gerade weil diese Beschimpfung so harmlos ist, nimmt man sie irgendwie persönlich, weil man glaubt, dass sie ernstgemeint ist.
4) Unbekannteste Spielregel: Der Ball ist nach dem Anstoß erst im Spiel, wenn er mit dem Fuß nach vorne gespielt wird. Anm: Diese Regel wurde mit 1. Juli 2016 aufgehoben, seit der Euro 2016 kann der Ball auch nach hinten gespielt werden. Ich habe aber tatsächlich bei einem Spiel assistiert, bei dem der Schiedsrichter einen Treffer nicht gab, weil der Ball nie im Spiel war, sprich: die anstoßende Mannschaft spielte den Ball in die eigene Hälfte, dort wurde er ihr sogleich abgenommen und die gegnerische Mannschaft erzielte einen Treffer, ohne dass der Ball je in der eigenen Hälfte war. Was ich glücklicherweise nie erlebt habe: Ein Foul in der eigenen Hälfte bevor der Ball in der gegnerischen Hälfte war, hat man nämlich dann das Spiel nicht rechtzeitig unterbrochen, wäre das Foul als Tätlichkeit zu werten (sozusagen ein „Foul ohne Ball“, weil dieser ja nicht im Spiel war) und somit mit einer roten Karte zu bestrafen.
5) Urigstes Hinweisschild in einer Sportplatzkantinentoilette (in bestem Wiener Fußballsoziolekt kommt dieser Befehl ohne Verb aus): „Keine Kaugummi ins Pissoir!“ Anm: Der Text folgt auch der leider immer mehr aus der Mode kommenden Tradition, das Mehrzahl-S einfach wegzulassen, nach dem Vorbild: „Bei unsre Match pfeiffen de Schiri aber a gor kane Foul mehr“
6) Peinlichster Moment: Den Ball trotz eines pantherhaften Ausweichmanövers mit dem verlängerten Rücken abfälschen und dann der angreifenden Mannschaft erklären müssen, dass es keinen Eckball gibt, weil man selbst zuletzt am Ball war. Anm: War glücklicherweise nur ein Testspiel.
7) Mühsamste Angewohnheit von Jugend-Trainern: Ab 5 Minuten vor Schluss im 30-Sekunden-Takt wechseln. Anm: In der Jugend ist der sogenannte „Ringtausch“ erlaubt, soll heißen, ein ausgewechselter Spieler kann wieder eingewechselt werden.
8) Häufigste anlassunabhängige Anrede durch Jugendspieler: „Oida, Schiri, was is das?“ Anm: Kann sich auf ein vermeintlich nicht geahndetes Foul durch den Gegenspieler oder eine getroffene Entscheidung beziehen. Aber dann geht es doch meistens sehr korrekt per Sie weiter.
9) Häufigste anlassbezogene Anrede durch Jugendspieler: „Schiri! Schuhband!“ Anm.: Bei den ganz jungen Spielern hat sich die perfide Zeitverzögerungsstrategie eingeschlichen, dem Schiedsrichter möglichst ernsthaft glauben zu machen, man könne noch nicht so gut Schuhbänder binden. Die Glaubwürdigkeit dieser Strategie sinkt überproportional mit steigendem Alter.
10) Netteste Frage eines Ordnerobmannes in der Halbzeitpause: „Woins scho a Bier oder erst noch’m Match?“ Anm: erübrigt sich.
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